Führung & Gesundheit

Warum Führungskräfte im Urlaub einbrechen

Wenn der Körper die Rechnung präsentiert – und was Sie dagegen tun können

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Dirk Picklaps März 2026 5 Min. Lesezeit

Ich habe es selbst erlebt. Monatelang auf Hochtouren – und dann, am zweiten Urlaubstag, war ich flach. Nicht wegen einer Erkältung. Sondern weil der Körper endlich die Rechnung präsentiert hat. Dieser Artikel erklärt, warum das passiert – und wie Sie es verhindern.

Die neue Realität für Führungskräfte

Es ist ein Phänomen, das viele ambitionierte Berufstätige und Führungskräfte nur zu gut kennen: Monatelang wird auf Hochtouren gearbeitet, Deadlines werden gejagt, Projekte abgeschlossen. Der Körper funktioniert wie eine gut geölte Maschine. Dann beginnt endlich der lang ersehnte Urlaub. Die Anspannung fällt ab – und prompt meldet sich der Körper mit unerklärlicher Erschöpfung oder einem kompletten Energieabfall.

Dieses Phänomen ist so weit verbreitet, dass es in der Psychologie oft als „Leisure Sickness" bezeichnet wird. Doch was auf den ersten Blick wie ein grausamer Scherz der Natur wirkt, ist in Wahrheit ein logischer biologischer Prozess.

Was auf biologischer Ebene passiert

Um zu verstehen, warum wir ausgerechnet dann einbrechen, wenn wir uns entspannen, müssen wir einen Blick auf unser endokrines System werfen – insbesondere auf das Stresshormon Cortisol.

In Phasen hoher beruflicher Belastung schüttet unser Körper kontinuierlich Cortisol und Adrenalin aus. Diese Hormone versetzen uns in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft. Sie schärfen unseren Fokus, erhöhen die Leistungsfähigkeit und – das ist der entscheidende Punkt – sie unterdrücken unser Immunsystem. Der Körper priorisiert das kurzfristige „Überleben" im stressigen Alltag über langfristige Reparaturprozesse.

Sobald der Urlaub beginnt und der Stressfaktor abrupt wegfällt, sinkt der Cortisolspiegel rapide ab. Das System, das monatelang auf Sparflamme lief, fährt plötzlich wieder hoch. In diesem Moment der Umstellung ist der Körper extrem anfällig – und der plötzliche Wegfall der Stresshormone führt oft zu einem Gefühl tiefer Erschöpfung.

BereichNormalzustandUnter Dauerstress
SchlafqualitätErholsam, tiefOberflächlich, fragmentiert
ImmunsystemAktiv, reaktionsbereitUnterdrückt, anfällig
EnergiereservenStabil abrufbarChronisch erschöpft
ErholungszeitKurze Pausen reichenUrlaub reicht nicht mehr aus

Hinweis: Vereinfachte Darstellung. Individuelle Reaktionen variieren. Kein medizinischer Befund.

Drei Strategien für einen reibungslosen Übergang

Die Lösung liegt nicht darin, den Stress im Urlaub aufrechtzuerhalten. Vielmehr geht es darum, den Übergang von der Hochleistungsphase in die Erholungsphase intelligenter zu gestalten.

01

Das „Cool-down"-Protokoll etablieren

Ein abrupter Stopp von 100 auf 0 ist für den Körper ein Schock. Beginnen Sie stattdessen drei Tage vor dem Urlaub mit einem bewussten „Cool-down". Delegieren Sie Aufgaben frühzeitig, vermeiden Sie es, neue Großprojekte in der letzten Woche zu starten, und reduzieren Sie Ihre Arbeitsstunden schrittweise. Geben Sie Ihrem System die Chance, sich langsam an das sinkende Stresslevel zu gewöhnen.

02

Aktive Erholung in den ersten Tagen

Der größte Fehler ist es, am ersten Urlaubstag sofort in absolute Passivität zu verfallen. Der Körper braucht Bewegung, um die verbliebenen Stresshormone abzubauen. Planen Sie für die ersten zwei bis drei Tage leichte Aktivitäten ein: Ausgedehnte Spaziergänge, leichtes Schwimmen oder Radfahren helfen dem System, den Cortisolspiegel sanft und kontrolliert zu senken.

03

Kontinuierliche Regeneration im Alltag

Der effektivste Schutz vor dem plötzlichen Energieabfall ist es, den extremen Cortisol-Stau gar nicht erst entstehen zu lassen. Wer Regeneration als tägliche Praxis versteht – und nicht als Event, das auf den Urlaub verschoben wird – bleibt widerstandsfähiger. Hierbei können gezielte Mikropausen, Atemtechniken oder auch moderne Technologien zur Unterstützung des parasympathischen Nervensystems wertvolle Dienste leisten. Individuelle Ergebnisse variieren.

Mein Fazit

Unser Körper ist keine Maschine, die man einfach an- und ausschalten kann. Er benötigt Übergangsphasen. Wenn wir lernen, unsere Energie und unseren Stresspegel bewusster zu managen, können wir unseren Urlaub endlich wieder für das nutzen, wofür er gedacht ist: Echte Erholung und das Aufladen unserer Batterien.

Dirk Picklaps ist Partner bei EINWERK Consulting im Bereich Executive Search sowie Gründer von DP Vitalis. Dieser Artikel gibt seine persönliche Einschätzung wieder und stellt keinen medizinischen Rat dar.

Disclaimer: Die Aussagen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information und stellen keinen medizinischen Rat dar. Aussagen zu Stress und Leistungsfähigkeit basieren auf allgemein zugänglichem Wissen und der persönlichen Erfahrung des Autors. Bei anhaltenden Erschöpfungssymptomen konsultieren Sie bitte einen Arzt. Unabhängiger Centropix-Partner: Dirk Picklaps, DP Vitalis.

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